Abschiedsinterview mit Monika Debong

IN­TER­VIEW MO­NI­KA LAM­BERT-DE­BONG

„Es war nie ei­ne Last, es war im­mer nur Freu­de“

Fo­to: Nor­bert Be­cker

Mo­ni­ka Lam­bert-De­bong vor ih­rem schön re­no­vier­ten bäu­er­li­chen El­tern­haus in Er­brin­gen.

SZ-In­ter­view mit Mo­ni­ka Lam­bert-De­bong, Ex- Ge­schäfts­füh­re­rin des Lan­des­ver­ban­des Saar­land/Rhein­land-Pfalz der Gar­ten­bau­ver­ei­ne.

Saar­brü­cker Zei­tung: Sie sind zum Jah­res­en­de als Ge­schäfts­füh­re­rin aus den Diens­ten des Lan­des­ver­ban­des Saar­land/Rhein­land-Pfalz der Obst- und Gar­ten­bau­ver­ei­ne aus­ge­schie­den und wech­seln zum Land­kreis Saar­lou­is. Was hat Sie da­zu be­wo­gen, und wel­che Funk­ti­on über­neh­men Sie dort?

Mo­ni­ka Lam­bert-De­bong: Die Ge­schäfts­füh­rung des Ver­ban­des der Gar­ten­bau­ver­ei­ne aus­füh­ren zu dür­fen ist ei­ne schö­ne Auf­ga­be. So ha­be ich nicht wirk­lich nach ei­ner an­de­ren Stel­le ge­sucht, son­dern ha­be so­zu­sa­gen ei­ne neue Her­aus­for­de­rung ge­fun­den. Beim Land­kreis Saar­lou­is wer­de ich künf­tig im Amt für Kli­ma, Um­welt, Re­gio­nal­ent­wick­lung und Tou­ris­mus ar­bei­ten. Den the­ma­ti­schen Zu­sam­men­schnitt des Am­tes fin­de ich in­ter­es­sant, und ich freue mich auf die neu­en Auf­ga­ben, auf die ich durch mei­ne jet­zi­ge Tä­tig­keit si­cher gut vor­be­rei­tet bin.

Wie sieht Ih­re bis­he­ri­ge be­ruf­li­che Lauf­bahn aus?

Lam­bert-De­bong: Ich ha­be 29 Jah­re beim Ver­band der Gar­ten­bau­ver­ei­ne als Ge­schäfts­füh­re­rin ge­ar­bei­tet. Vie­le wei­te­re Sta­tio­nen gab es al­so nicht. Nach mei­ner Aus­bil­dung zur Gärt­ne­rin in der Baum­schu­le Leick in Mer­zig-Bal­lern ha­be ich in Ber­lin an der Tech­ni­schen Fach­hoch­schu­le Gar­ten­bau stu­diert. Dann ha­be ich et­was über ein Jahr in der Baum­schu­le Ley in Me­cken­heim bei Bonn ge­ar­bei­tet, be­vor ich wie­der ins Saar­land zu­rück­kam und als Ge­schäfts­füh­re­rin die Ge­schi­cke des Ver­ban­des der Gar­ten­bau­ver­ei­ne lei­ten durf­te.

Seit wann wa­ren Sie beim Lan­des­ver­band tä­tig?

Lam­bert-De­bong: Zum 1. Ja­nu­ar 1992 wur­de ich ein­ge­stellt.

Wie war die Zu­sam­men­ar­beit im Lan­des­vor­stand, mit den Krei­sen, den Orts­ver­ei­nen oder Mi­nis­te­ri­en?

Lam­bert-De­bong: Mir hat mei­ne Ar­beits­stel­le beim Ver­band im­mer sehr viel Spaß ge­macht. Es war nie ei­ne Last, es war im­mer nur Freu­de. Egal auf wel­cher Ebe­ne – Prä­si­di­um oder Vor­stand, auf Kreis­ver­bands- oder Orts­ver­eins­ebe­ne, in Zu­sam­men­ar­beit mit den Mi­nis­te­ri­en oder an­de­ren In­sti­tu­tio­nen und Or­ga­ni­sa­tio­nen: Die Zu­sam­men­ar­beit war gut und ziel­ori­en­tiert.

Was wa­ren die Schwer­punk­te Ih­rer Ar­beit?

Lam­bert-De­bong: Es ist nicht ein­fach, mei­ne um­fang­rei­che und viel­fäl­ti­ge Tä­tig­keit in ein paar Sät­ze zu fas­sen. Im Mit­tel­punkt stan­den im­mer die Obst- und Gar­ten­bau­ver­ei­ne. Der Ver­band soll­te für sie ein leis­tungs­star­ker Part­ner sein, der ih­nen zu­ar­bei­tet bei al­len Fra­gen der Ver­eins­ar­beit und pass­ge­naue An­ge­bo­te für sie macht. Gu­te Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te zu al­len Gar­ten­the­men wa­ren ei­ne Ver­pflich­tung. Hier sind bei­spiels­wei­se die Gar­ten-Fach­wart-Lehr­gän­ge zu nen­nen. Eben­so wich­tig wa­ren Ser­vice-An­ge­bo­te für die Ver­ei­ne, die Kel­te­rei­en oder Bren­ne­rei­en be­wirt­schaf­ten. Die Öf­fent­lich­keits­ar­beit für die Ver­ei­ne und den Ver­band wa­ren auch sehr wich­tig, denn ein Ver­band ist im­mer auch Lob­by­ist und Für­spre­cher. Es gab vie­le tol­le Ak­tio­nen, die zu nen­nen wä­ren: der jähr­li­che „Tag der of­fe­nen Gar­ten­tür“, die Obst­brand­prä­mie­run­gen, die gro­ßen Obst­aus­stel­lun­gen, die Streu­obst­ak­ti­ons­ta­ge im his­to­ri­schen Bahn­hof in Be­ckin­gen oder die Teil­nah­men an den Lan­des­gar­ten­schau­en und der Bu­ga in Rhein­land-Pfalz. Auch die Be­nen­nung der „Streu­obst­sor­te des Jah­res“ für das Ver­bands­ge­biet hat Auf­merk­sam­keit ge­bracht. Wich­tig war auch im­mer der Kon­takt zu den bei­den Lan­des­re­gie­run­gen, zu den Land­krei­sen, den Land­wirt­schafts­kam­mern oder Lehr­an­stal­ten so­wie Ver­bän­den und Or­ga­ni­sa­tio­nen auf Bun­des- wie Län­der­ebe­ne.

Wel­che Auf­ga­ben gab es noch?

Lam­bert-De­bong: Nicht ver­ges­sen wer­den darf die Ver­bands­zeit­schrift „Un­ser Gar­ten“, die ein­zi­ge gärt­ne­ri­sche Fach­zeit­schrift, die im Saar­land ver­legt wird, und das schon seit über 65 Jah­ren. Hier durf­te ich mit un­zäh­li­gen tol­len Au­to­ren zu­sam­men­ar­bei­ten und Mo­nat für Mo­nat ei­ne Zeit­schrift ge­stal­ten. Üb­ri­gens: „Un­ser Gar­ten“ ken­ne ich schon seit mei­ner Kind­heit. Nicht nur weil mei­ne El­tern die Zeit­schrift ge­le­sen ha­ben, son­dern weil ich in der Zeit als ich Ju­gend­li­che Lauf­kas­sie­re­rin des Obst- und Gar­ten­bau­ver­eins Er­brin­gen war, die Zeit­schrift je­den Mo­nat zu den Mit­glie­dern ge­bracht ha­be.

Wie war die Mit­wir­kungs­be­reit­schaft?

Lam­bert-De­bong: Der Ver­band der Gar­ten­bau­ver­ei­ne – das ha­be ich im­mer be­tont – ist die Sum­me sei­ner Mit­glie­der und so kann der Ver­band nur funk­tio­nie­ren, wenn al­le Glie­de­run­gen – das ein­zel­ne Mit­glied, die Orts­ver­ei­ne und Kreis­ver­bän­de, der Vor­stand – mit­wir­ken und sich ein­brin­gen. Dem war im­mer so. Ich konn­te auf al­le zäh­len, und ge­mein­sam wird und wur­de im­mer dar­an ge­ar­bei­tet, den Ver­band noch bes­ser auf­zu­stel­len. Ich bin vie­len ak­ti­ven Mit­strei­tern zu Dank ver­pflich­tet!

Gab es auch Au­ßer­ge­wöhn­li­ches?

Lam­bert-De­bong: Rück­bli­ckend war vie­les au­ßer­ge­wöhn­lich. Ei­gent­lich je­der Tag, an dem ich für den Ver­band der Gar­ten­bau­ver­ei­ne ge­ar­bei­tet ha­be. Die Teil­nah­me bei der Welt der Fa­mi­lie in der „Grü­nen Hal­le“ war im­mer ein High­light. Die durch Saar­land Sport­to­to ge­för­der­te Maß­nah­me, bei der über sechs Jah­re die Obst­sor­ten im Saar­land und der West­pfalz von ei­nem Po­mo­lo­gen kar­tiert wur­den. Gro­ße Obst­aus­stel­lun­gen wur­den zu die­ser Zeit rea­li­siert. Die über vie­le Jah­re durch­ge­führ­ten „Gar­ten­rei­sen“, die wirk­lich ein­zig­ar­ti­ge Mo­ti­va­ti­on der Teil­neh­mer bei den „Gar­ten-Fach­wart-Lehr­gän­gen“ oder die Sen­so­rik-Se­mi­na­re für die Obst­bren­ner…

Wie wich­tig war Ih­nen ei­ne gu­te Öf­fent­lich­keits­ar­beit?

Lam­bert-De­bong: Sehr wich­tig! Im­mer ha­be ich mich für ei­ne gu­te Dar­stel­lung des Ver­ban­des in der Öf­fent­lich­keit ein­ge­setzt und ver­sucht, die The­men – Er­hal­tung der Gar­ten­kul­tur so­wie För­de­rung der Kul­tur­land­schaft – in den Me­di­en zu be­set­zen. Ich den­ke, das ist auch dank der Un­ter­stüt­zung der Pres­se­ver­tre­ter gut ge­lun­gen.

Wie se­hen Sie die Zu­kunft der Obst- und Gar­ten­bau­ver­ei­ne?

Lam­bert-De­bong: Ich bin nicht ban­ge und se­he „blü­hen­de“ Ver­ei­ne, um es gärt­ne­risch aus­zu­drü­cken. Obst- und Gar­ten­bau­ver­ei­ne ver­kör­pern die The­men Gar­ten und Na­tur. In Zei­ten, in de­nen Bio­di­ver­si­tät, Ar­ten­viel­falt, Nach­hal­tig­keit, Kli­ma­schutz, Re­gio­na­li­tät und ge­sun­de Er­näh­rung im­mer mehr in den Fo­kus der Men­schen rü­cken, wer­den die Obst- und Gar­ten­bau­ver­ei­ne an Be­deu­tung ge­win­nen und das auch bei jun­gen Leu­ten und Fa­mi­li­en mit Kin­dern.

Gibt es ge­nü­gend Nach­wuchs?

Lam­bert-De­bong: Ich freue mich, dass die Mit­glie­der­zah­len im Ver­band sta­bil sind und die Ver­ei­ne ak­ti­ve Vor­stän­de ha­ben, de­nen es ge­lingt, neue Mit­strei­ter zu ge­win­nen und sich im­mer wie­der neu auf­zu­stel­len. Der Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sel ist ein­ge­läu­tet und wird ge­lin­gen. Tol­le Er­fah­run­gen sind na­tür­lich Ver­eins­grün­dun­gen wie in Ober­würz­bach oder in Mit­los­heim, wo sich jun­ge ak­ti­ve Men­schen zu­sam­men­tun. Eben­so schön ist es zu er­le­ben, dass Ver­ei­ne, die et­was „ru­hi­ger“ ge­wor­den sind, durch die jun­ge Be­völ­ke­rung im Ort wie­der zu neu­em Le­ben er­weckt wer­den. Das durf­te ich zu­letzt bei­spiels­wei­se in Ben­gel, Hoch­spey­er, Noh­fel­den-Ei­wei­ler oder in Nos­wen­del er­le­ben.

Wie wirkt sich die Co­ro­na-Pan­de­mie auf die Ver­bands- und Ver­eins­ar­beit aus?

Lam­bert-De­bong: In der Ge­schäfts­stel­le war trotz­dem viel zu tun. Man hat deut­lich ge­spürt, dass das In­ter­es­se am Gärt­nern und dem ei­ge­nen Gar­ten durch die Kri­se be­för­dert wur­de. Wir konn­ten in die­sem Jahr mit Si­cher­heit die höchs­te Zahl an te­le­fo­ni­schen Fach­fra­gen ver­zeich­nen. In den Ver­ei­nen war es na­tür­lich ru­hi­ger, wo­bei es schön zu er­le­ben war, welch gu­te Ide­en um­ge­setzt wur­den, da­mit das Ver­eins­le­ben nicht ganz zum er­lie­gen kam. Trotz­dem ma­che ich mir et­was Sor­gen und hof­fe, dass al­le Ver­ei­ne zur ge­wohn­ten Ak­ti­vi­tät zu­rück­fin­den und ih­re Mit­glie­der ak­tiv blei­ben.

Steht Ihr(e) Nach­fol­ger(in) be­reits fest und was ge­ben Sie ihm/ihr für die künf­ti­ge Ar­beit mit auf den Weg?

Lam­bert-De­bong: Ja, mein Nach­fol­ger steht in den Start­lö­chern. Gleich im Ja­nu­ar wird der Gar­ten­bau­tech­ni­ker Ro­ger Mar­ti, der in der Schweiz ge­bo­ren ist und seit vie­len Jah­ren im Saar­land lebt und mit ei­ner Saar­län­de­rin ver­hei­ra­tet ist, als Ge­schäfts­füh­rer des Ver­ban­des sei­nen Dienst an­tre­ten. Was ich ihm mit auf den Weg ge­ben möch­te? Ganz ein­fach: Ich wün­sche ihm, dass er in sei­nem neu­en Job ge­nau­so viel Freu­de hat, wie ich dies im­mer hat­te. Es ist ei­ne wirk­lich schö­ne, ab­wechs­lungs­rei­che Tä­tig­keit, die vie­le Kon­tak­te mit net­ten Men­schen bringt. Ich wün­sche ihm Er­folg.

Wer­den Sie wei­ter im Lan­des­ver­band mit­ar­bei­ten oder zu wich­ti­gen The­men des Obst- und Gar­ten­bau­ver­ei­nes schrei­ben oder re­fe­rie­ren?

Lam­bert-De­bong: Ich möch­te den Ver­band der Gar­ten­bau­ver­ei­ne ger­ne wei­ter­hin be­glei­ten und un­ter­stüt­zen. Der Ver­band und die The­men für die er ein­tritt, sind mir wich­tig und das wird sich nicht än­dern, auch wenn ich beim Land­kreis Saar­lou­is ar­bei­te.

Die Fra­gen stell­te
Nor­bert Be­cker.